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Kratas

K

ratas liegt, zumindest geografisch gesehen, im Zentrum Barsaives. Durch die Tatsache, dass praktisch alle illegalen Aktiviäten und Geschäfte mit Söldnern hier abgeschlossen werden, hat sich Kratas den Ruf als "Stadt der Diebe" redlich verdient.

A

llerdings findet man in Kratas nahezu alle Güter und Dienstleistungen, vorrausgesetzt man kennt die richtigen Leute und ist bereit, höhere Preise als im Rest der Provinz Barsaive zu zahlen. Auch Informationen sind ein beliebtes Handelsgut, denn viele Informanten und namenhafte Diebe haben dort ihre Zelte aufgeschlagen.

R

egiert wird Kratas von Garlthik Einauge[1], einem legendärem Dieb, der mit seiner Bande "die Streitmacht des Auges[2]", die Stadt unter seiner Kontrolle hat. Seiner Herrschaft ist jedoch nicht unangefochten, denn "Brochers Blut[3]", eine Gruppe unter der Leitung des Blutelfen Vistrosh[4], versucht, den uralten Ork, um dessen unfassbar lange Lebensspanne sich Legenden ranken, vom krantanischen Trohn zu stürzen.

Man darf also gespannt sein, wie sich die politische Lage in Kratas entwicheln wird.

Statt der hier wiedergegebenen alten und unvollständigen Version des früheren Städteprojekts zu Kratas würde ich empfehlen, den im Rahmen des FdA herausgebrachten Quellenband zu Kratas zu nutzen, zu finden etwa unter http://www.ardanyan.de

Karte von Kratas[7]


Chronist

Zusatzinformationen aus der Bibliothek von Throal:

Kratas

Zitadelle der Freien

Der folgende Bericht über Kratas, die Stadt der Diebe, unterscheidet sich von den vorherigen besonders dadurch, daß es kaum schriftliche Aufzeichnungen über die Stadt gibt. In Kratas wird dem geschriebenen Wort nicht viel Bedeutung zugedacht" - so gibt es keine Chronik oder sonstige gefestigte Aufzeichnungen über die Geschichte der Stadt, einmal abgesehen von den wenigen Fragmenten, die die Zerstörungen der Plage heil überstanden haben. Nur wenig Informationen über Kratas sickern über Karawanen- und Handelswege nach Throal, und viele der oft schaurigen Berichte beruhen auf Hörensagen. Schon allein deswegen lag es unserem weisen Herrscher besonders am Herzen, den Reisenden einen etwas ausführlicheren Blick auf Kratas zu gewähren. Die vorliegende Sammlung beruht im Wesentlichen auf den Aufzeichnungen und Eindrücken unseres reisenden Schreibers Voiha Mystral, der genügend Mut und Ausdauer aufbrachte, fast drei Jahre in den Mauern der verrufenen Zitadelle zu verweilen. Neben diesen Berichten fügte er auch etliche Mitschriften von Gesprächen bei, die er, oft unter erheblichen Anstrengungen, mit den unterschiedlichsten Stadtbewohnern führte. Wie es sich herausstellte, mag sein Eifer und Wissensdurst ungewollte Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, denn unser Freund wurde eines Nachts Opfer eines hinterhältigen Anschlags auf sein Leben. Obwohl er tagelang mit dem Tod rang, erlag er den Folgen seiner schweren Stichverletzungen. Auf Veranlassung von Garlthik Einauge wurden seine Schriften zusammen mit seinem Leichnam nach Throal überbracht. Obwohl wir einen tiefen Verlust erlitten haben, wird Voiha in unseren Herzen und durch diese seine Arbeit weiterleben. Allein der Vollständigkeit halber, ergänzten unsere Scholaren dieses Dokument noch durch einige Berichte des Auges Throals und anderer mündlichen Überlieferungen aus dem Fundus der Bibliothek.
- Merrox, Meister des Dokumentenhauses, Throal 1508-

Ein erster Blick hinter die Maske

M

eine Anreise nach Kratas war, verglichen mit all meinen vorigen Reisen, beschwerlich, da mir von der Bibliothek ausdrücklich nahe gelegt wurde, inkognito zu reisen. So schloß ich mich einer Hurlg-Karawane an, die von Throal in die Stadt der Diebe aufbrach. Wir benötigten fast fünfzehn Tagesreisen und immer wieder beneidete ich die Abenteurer und Boten, die zu Pferd entlang der Handelsroute an uns vorbeipreschten- sie würden kaum länger als neun Tage für die Strecke brauchen, davon war ich überzeugt. Immer wieder kontrolllierte ich heimlich unseren Kurs mit Shantayas Sextant, da ich dem dauerhaft in eine faulige Schnapswolke gehüllten Karawanenführer nicht weiter traute, als ich eine Huttawa hätte werfen können. So legte ich tagtäglich sein Zentrum auf Throal und richtete die q-Achse des Astrolabiums auf die Drachenberge aus. Nur wenn die y-Achse auf Kratas zeigte und wir zur Zeit des Sonnenaufgangs Floranuus folgten, war ich beruhigt, aber das war nicht oft der Fall. Ich kenne bis heute den Grund für unsere häufigen Umwege und Pausen nicht, aber es könnte etwas mit den vielen niedergebrannten Höfen und Katen zu tun haben, die immer wieder wie stumme Mahnmale unseren Weg säumten. Während der Reise machte ich mir oft Gedanken über unser Reiseziel- ich hatte schon viel über die Stadt gehört, doch selten Gutes. So versuchte ich meine widersprüchlichen Gedanken zu ordnen, war dies doch die Voraussetzung für den objektiven Bericht, den die Bibliothek von mir erwartete. Aus diesen Bruchstücken meines Wissens formte sich mit jedem Tag der Reise ein Bild der Stadt und ich begann, die ersten Notizen zu einem Überblick niederzuschreiben. Eigentlich liegt Kratas sehr zentral im Herzen Barsaives, falls es einen solchen Ort nach der Plage noch geben kann. Dennoch führen alle größeren Handelsrouten in einem weiten Bogen um die Stadt herum, weil nur sehr wenige ehrbare Händler es wagen ihren Fuß in die Stadt der Diebe, wie sie landläufig genannt wird, zu setzten. Die Taten der Verbrecher, die sich in der Stadt niedergelassen haben, verhindern einen wirtschaftliche Aufschwung durch den Handel mit anderen Städten. Die Bewohner der alten Zitadelle sind zum Teil ärmer als alle anderen Stadtbewohner Barsaives, andere haben auf nicht immer ganz geraden Wegen sehr große Reichtümer aufgehäuft. Kratas ist fest in der Hand der Diebe und Verschlagenen, die über die Hungernden herrschen. Dieses Bild drängt sich den Außenstehenden auf, aber es ist, wie der erste Eindruck so oft, falsch. Gerade in einer Stadt, die kein Recht und Gesetz zu kennen scheint, werden die Bürger teilweise von den einzelnen Banden geschützt. Jeder Dieb erkennt, daß Diebstahl allein die Bevölkerung nicht ernähren kann. Und daher schätzt er die Bürger in seiner Nähe, die eine Gemeinde funktionieren lassen.

[Ankunft in Kratas]

E

in Bericht von Bhjurke cor Lenthro, einer elfischen Schwertmeisterin, die auf ihrem Weg von Kratas zum Schlangenfluß eine Nacht in unserem Lager verbrachte:
Wer Kratas betreten will, der wird sich entweder gezwungen sehen, bei Nacht und Nebel über die verfallenen Mauern zu klettern und dabei die Passionen anzurufen, sie mögen ein Entdecken verhindern - oder am Tor den sogenannten "Stadtwachen" zehn Silberstücke zahlen. Die Bezeichnung Stadtwache ist hier eine reine Ironie, obwohl sich die schmierigen Typen, die sich an den Stadttoren herumdrücken, selbst so nennen. Sie alle gehören der "Macht des Auges" an, der größten Diebesbande von Kratas, welche vom selbsternannten Magistraten, dem Ork Garlthik Einauge dominiert wird. Wer nicht zahlt, wird nicht in die Stadt gelassen, und wer es dennnoch versucht, wird mit Waffengewalt daran gehindert. Stellen die Wachen auch kein echtes Problem dar, so wird man in der Stadt sehr schnell eines bekommen, wenn der Vorfall am Tor erst bekannt wird. Und das kann in Kratas schneller gehen, als die Eindringlinge den ersten Straßenzug erreicht haben. Kluge Reisende verbeißen sich ihren Ärger und zahlen. Lieber zehn Silberstücke weniger im Beutel als einen Dolch im Rücken, wie man in der Umgebung von Kratas zu sagen pflegt. Mit diesen zehn Silberstücken versichert man sich zumindest des zweifelhaften Schutzes von Magistrat Garlthik, und man kann sich im gesamten Stadtgebiet frei bewegen. Die Wachen nehmen sich das Recht heraus, jeden Neuankömmling gründlich zu durchsuchen, wenn er sich verdächtig benimmt - oder ihnen sein Gesicht nicht gefällt.
Ich habe die persönliche Erfahrung gemacht, daß es ein fundamentaler Fehler ist, die zehn Silberstücke am Tor in Form eines Goldstückes zu entrichten. Noch bevor ich zwei Straßenbiegungen hinter mich gebracht hatte, wurde ich von zwei zerlumpten Gestalten überfallen und niedergeschlagen. Als ich aufwachte, besaß ich nichts mehr, außer meiner Kleidung. Sogar meine Stiefel waren weg. Wäre nicht mein Gepäck und damit mein Notsilber nicht noch bei der Karawane verstaut gewesen, hätte mein erster Besuch in Kratas bereits hier ein unrühmliches Ende gefunden....
- Voiha, frühe Datumsangabe

Ort der langen Schatten

In tiefer Nacht hört man das Flüstern in den Gassen und Hinterhöfen, wenn Kratas seinen geheimen Traum träumt und sein Versprechen des schnellen Goldes in die Ohren der Hoffnungslosen raunt
- Thain Lange Hand, Elfischer Troubadour aus Urupa

Voiha, frühe Datumsangabe:

A

ls die Karawane den Tafelberg erreichte, auf dessen Rücken die altehrwürdige Zitadelle Kratas thront, regnete es in Strömen. Vereinzelt sah ich Lichter in der schwarzen Stadtsilhouette glimmen, die sich scharf gegen den Nachthimmel abzeichnete. Vermutlich Fackeln auf der Stadtmauer und am Tor, oder Tavernenfenster, die auch um diese Zeit noch einsam leuchteten. Wir folgten der Straße, die sich, eng an den Fels geschmiegt, nach oben schlängelte. Es war ein mühseliger Aufstieg, denn sie war steil und das Pflaster regennaß, so daß die Tiere manchmal ausglitten und die Räder der Karren nicht richtig greifen konnten. Je höher wir kamen, desto deutlicher konnte ich die Stadt erkennen. Eine mächtige Mauer umschlang Kratas wie der Gürtel eines Riesen. Wir steuerten auf das Tor zu, das einzige, wie ich später feststellte, und im Licht der Fackeln, die den Vorplatz erleuchteten, konnte ich eine Handvoll Gestalten erkennen. Lange Ledermäntel schützen die vor dem prasselnden Regen und als die Karawane sich endlich vor dem Tor versammelt hatte, kam einer der Männer auf uns zu. Es war ein Ork von mächtiger Statur und einem Gesicht, daß schon viele Fäuste gesehen haben mußte. Lässig stützte er sich auf seinen Speer und im Fackelschein sah ich ein Auge, daß auf seinen Rundschild gemalt worden war. Waren das die Wachen der Macht des Auges, von denen

Bhjurke berichtet hatte? Die Gesandten von Garlthik, dem legendären Dieb und Herrscher der Stadt? Als sie begannen, die Karawane zu durchsuchen, war ich mir sicher. Sie schienen ihre Arbeit ernst zu nehmen und gingen gründlich vor- erst als unser Anführer ihnen ein Faß Hurlg überließ, konnten wir passieren. Natürlich mußte jeder der Mitreisenden noch den Wegzoll von zehn Silberstücken entrichten. Durch Bhjurkes Bericht war ich bestens gewappnet und drückte im Vorbeireiten dem Ork am Tor ein Goldstück in die Hand- schließlich wollte ich keinen Ärger machen. Der Ork grinste freundlich und nickte mir zu, dann winkte er mich in die Stadt.
Kratas lag vor mir.
Die Gassen waren eng und verwinkelt. Wolken huschten mit großer Geschwindigkeit über den Himmel und wann immer sie das fahle Gesicht des Mondes preisgaben, fiel sein Licht auf das ausgetretene Straßenpflaster, auf dem sich in unregelmäßigen Abständen Unrat angesammelt hatte. Eine Horde wohlgenährter Ratten huschten eifrig hin und her, und ich wurde das Gefühl nicht los, das sie nicht die einzigen waren, die mich beobachteten.
Die Hauseingänge links und rechts lagen fast einen ganzen Schritt zurückgesetzt in den Mauern und schienen wie leere Augenhöhlen in die Dunkelheit zu starren. Ein Blitz zerriß den Himmel und erschrocken kauerte ich mich für einen Moment an eine Häuserwand. Mein Blick wanderte nach oben. Erst jetzt fiel mir auf, daß kaum eines der spitzgiebeligen Fenster zur Straße hin zeigte, und es in den unteren zwei Stockwerken gar keine zu geben schien. Ob das hier üblich war? Als der Donner durch die Gasse rollte, hörte ich ein schlurfendes Geräusch aus einem der Hauseingänge.
Kratas erscheint einem Reisenden oft verlassen zu sein. Wenige Gestalten bewegen sich in der Stadt, und oft kann man hunderte Schritt durch die Straßen wandern, ohne einen Bewohner zu sehen. Mit Sicherheit aber wird man gesehen. Hinter den halbgeschloßenen Läden der Fenster, um Häuserecken und aus dunklen Seitengassen heraus folgen einem mißtrauische, neugierige und vor allem abschätzende Blicke. Die Stadt lebt, und ein Neuankömmling, der Kratas am Tag durchwandert hat, wird es Nachts nicht wiedererkennen. Dennoch wäre er gut beraten, im Haus zu bleiben, denn nicht viele Fremde überleben eine Nacht im Freien. Zu leicht kann es passieren, zwischen zwei rivalisierende Diebesbanden zu geraten, die mit Spionen und solchen, die sie für welche halten, kurzen Prozeß machen. Es ist allemal sicherer, in seinem Zimmer zu verweilen und Fenster und Türen fest zu verriegeln. Eine Nachtwache und eine verbarrikadierte Tür scheinen ebenfalls empfehlenswert. Die meisten Bewohner der Stadt, die nicht zu den Verbrechern und deren Gefolge gehören, leiden unter der Gewaltherrschaft. Dennoch bleiben sie, weil sie sich hier sicher fühlen - so seltsam das klingen mag. Trotz der Rivalität einiger Gruppen hat sich zwischen den Bewohnern ein merkwürdiger Zusammenhalt entwickelt, der für Außenstehende nur schwer zu begreifen ist. Die Diebe sind zu dem Schluß gekommen, das eine Stadt ihre Bürger braucht, und lassen sie bei ihren Aktivitäten in der Regel in Ruhe. Nur so ist es zu erklären, das Kratas nicht nur zwielichtigen Gestalten eine Heimat ist, sondern auch Händler, Scholaren, Handwerker und Kunstschaffende in den verfalllenden Mauern leben. Tatsächlich stellen sie sogar die Mehrheit der Bewohner. Nur etwa ein Drittel aller Kratraer gehen im Schweiße ihres Angesichts dem Diebeshandwerk nach. Zwar leben die ehrbaren Bürger mit der ständigen Bedrohung von Überfällen, ziehen es aber dennoch vor, ihrem Geschäft in der Stadt der Diebe nach-zugehen, da sie hier eine bessere Bezahlung als anderswo erwarten können und nicht unter der Last von Steuern stöhnen müssen.

Heimat der Heimatlosen

Schau mich an und du siehst in das Gesicht eines Ausgestoßenenaber das furchtbare Verbrechen, für das ich diese Runennarben trage, habe ich nicht begangen. Dennoch werde ich nie wieder in meine Heimat zurückkehren können. Hier in Kratas schert das niemanden - man legt an den Stadtmauern seine Vergangenheit ab und kann ein neues Leben beginnen. Kratas kennt kein Bedauern. Hier zählt, was du bist, nicht was du warst.
- Setrenas, Händler zu Kratas

O

bwohl die Zitadelle von Kratas mit Leichtigkeit eine Bevölkerung zwischen 90.000 und 100.000 Namensgeber beherbergen könnte, beläuft sich die tatsächliche Einwohnerzahl vielleicht um die 48.000. Allerdings kann diese Zahl nicht mit Sicherheit als korrekt gelten, denn nur etwa ein Fünftel aller Bürger hat einen festen Wohnsitz. Auch hat man es in Kratas nie für notwendig gehalten, eine Volkszählung vorzunehmen- aber wozu auch, denn die Steuern werden in Kratas von je her auf andere Art berechnet...
Wer aber zieht in eine Stadt, die einen so zweifelhaften Ruf wie Kratas genießt? Die Frage läßt sich nur Beantworten, wenn man an die Geschichte der gesamten Provinz denkt. Pranthe, die Schmiedin der Geborstenen Klaue, erlaubte mir zu notieren, was sie mir über dem Verbessern meiner Lederrüstung von ihren Mitbürgern erzählte:
Viele der Bewohner haben es nie gelernt, ihr Knie vor einem König zu beugen oder sich in den Staub vor den Füßen eines reichen Magistrats zu werfen - und die meisten wollen es auch nicht. Keine andere Stadt legt so wenig Wert auf die Vergangenheit des Einzelnen wie die Stadt der Diebe. Meine Stadt ist nichts für die, die in lauen Sommernächten durch friedliche Gäßchen spazieren wollen, die auf dem Markt einen fairen Handel erwarten oder ihre Waffen nur zur Zierde tragen. Aber wer derbe Späße liebt und starken Wein,

wer gerne schnell lebt und intensiv, für den ist Kratas genau das richtige. Wer hier lebt, atmet Freiheit. Sicher, manchmal schmeckt sie nach Blut, aber wen schert's solange es nicht das eigene ist.

Zusammensetzung der Bevölkerung Kratas

ca. 48.000 Namensgeber
diese Zahlen beruhen auf Schätzungen:

  • Elfen 5 %
  • Menschen 32 %
  • Orks 36 %
  • Zwerge 19 %
  • Trolle 7 %
  • T'skrang 1 %
  • Obsidianer sehr wenige
  • Windlinge einige wenige

Ein Leben in Kratas

Nach der Plage sind wir in diese Zitadelle gekommen, um reich zu werden. Wir waren unter den ersten, die diese Ruine betraten. Hätten wir etwas gewartet, wäre uns größerer Erfolg leichter zuteil geworden. So verloren viele meiner Gefährten ihr Leben, und ich meinen Schwertarm. Derartig verstümmelt wollte ich es etwas ruhiger angehen lassen und begann, zusammen mit Ortan, der sein Augenlicht einbüßte, am Rand von Kratas eine Schenke aufzubauen. Ihr müßt verstehen, damals war es noch anders als heute. Wir waren froh, als sich die ersten hier niederließen. Immer mehr Namensgeber fanden den Weg in unsere entstehende Stadt, die ich vor meinen Augen schon erblühen sah. Eines Tages kamen die ersten Banditen. Ich rede nicht von Dieben, mein Herr, nein, das waren Banditen, bei den Passionen. Sie plünderten uns, um am nächsten Tag wiederzukommen und uns ihren Schutz anzubieten! Gegen Bezahlung, natürlich. Wehe dem, der ihr so großzügiges Angebot ablehnten. Heute leben wir in einer Straße, die zwischen zwei Räuberbanden umkämpft wird. Mynbruje allein weiß, womit wir dies verdient haben. Oft finden wir Tote auf der Straße, vor zwei Tagen lag eine Leiche in unserem Küchenhof! Immer wieder kommen die einen oder anderen, um uns auf ihre Seite zu ziehen. Ich versuche, beiden das Gefühl zu geben, ich stünde auf ihrer Seite. Eines Tages werde ich die Karten auf den Tisch legen müssen.
- Uigtar Ohnehand, Schankwirt des "Funkelnden Dolches" zu Kratas.

Mehr als eine Stadt

Folgender Bericht stammt von An'Loir, einem orkischen Abenteurer, den ich kurz nach meinem Eintreffen in Kratas kennenlernte. Nachdem ich ihn einige Abende hintereinander zu Unmengen von Hurlg und Pentha eingeladen hatte, und er mich mittlerweile als seinen ‚besten Freund' bezeichnete, teilte er seine Sicht von Kratas mit mir
- Voiha, frühe Datumsangabe

Kratas - laß dir den Namen auf der Zunge zergehen. Er hat Gehalt, Geschmack und langweilt nicht die Stimmbänder mit weichen, geschmacklosen Worten wie Vishon oder Urupa. Kratas ist nicht nur der Ort an dem man wohnt, er ist das Leben das man lebt. Schnell, intensiv und ohne sich um die Vergangenheit zu kümmern. "Lebe für den Augenblick" sagt man in Kratas, und das ist ganz nach orkischem Geschmack. Kratas ist eh ein Ort für Orks und Trolle. Elfen mit ihrem affektierten Getue und Zwerge mit ihren bürokratischen Gepflogenheiten haben dort Schwierigkeiten. Zieh nicht so ein Gesicht, mein Freund, ich wollte dich nicht beleidigen. Aber dennoch- diese Völker sind hier kaum vertreten. Nicht, das sie es schwerer hätten als die anderen, nein, sie kommen einfach nicht mit dem Stil der Stadt so zurecht wie wir oder unsere großen Brüder. Es ist weniger das Risiko, in Kratas zu leben. Was uns Orks besonders an dieser Stadt fasziniert, ist die Freiheit. Lach nicht Junge, sonst zeige ich dir was ein Ork tut, um seinem Gahad zu entgehen! Ja, es ist Freiheit. Nicht wie die Freiheit der Zwerge, eingepfercht von großen Trupps Soldaten und dicken Mauern und nicht die des Geldes der Feilscher in Travar. Nein, es ist die Freiheit des Einzelnen. Nicht zu verwechseln mit Sicherheit, nein, ich spreche aussschließlich von Freiheit.Freiheit ist der wertvollste Besitz des Diebes' heißt es, und er wird eher sterben, als sie sich von wem auch immer rauben zu lassen. Es ist unsere Stärke, die uns frei macht, das innere Feuer, der unbeugsame Willen- und die Dreistigkeit, mit der wir uns nehmen, was uns zusteht.



Diejenigen, die es nicht einmal geschafft haben, einen funktionierenden Staat mit einer intakten Gesellschaft zu bilden, sollten sich vorsehen über andere zu urteilen.
- Gröndlan, Händler des ehrenwerten Hauses Shandorrin zu Travar


Der Brauch der freien Lehre

I

n der Stadt herrscht eine Sitte, die besonderer Erwähnung bedarf. Viele mögen über diese recht junge Tradition erstaunt den Kopf schütteln, doch er birgt eine tieferen Sinn, der sich erst auf den zweiten Blick erschließt.
In Kratas darf kein Lehrmeister einer Disziplin von einem Schüler ein Entgeld für seine Dienste nehmen. Allein Kost und Logie muß der Schüler entrichten, aber für die Lehre an sich braucht er kein einziges Silberstück aufbringen. Man kann sich vorstellen, daß dieser Umstand viele junge, mittellose Adepten und Möchtegern-Abenteurer nach Kratas zieht. Für Außenstehende mag dieser Brauch wenig Sinn ergeben und nicht gerade lukrativ erscheinen, doch, wie sollte es anders sein, es gibt einen kleinen Haken bei der Sache. Vor Beginn der Lehre schwören Schüler und Lehrer einen Bluteid, in dem der Schüler seinem Meister eine Anzahl von Diensten verspricht, die je nach Dauer und Intensität der Lehre stark variiert.
Es hat mich einige Mühe gekostet, die Geheimnisse dieses Bundes zu ergründen, doch im Laufe meiner Ermittlungen bin ich zu folgendem Schluß gekommen: fast jeder Lehrmeister, der offiziell in Kratas als solcher anerkannt ist, gehört der Macht des Auges an. In Zeiten größter Not, wie zum Beispiel im Falle eines Krieges oder einer Belagerung, können die Lehrmeister ihre Schüler zu sich rufen und die Einlösung ihrer Dienste verlangen. Es verwundert nicht, daß Garlthik Einauge so sehr darauf drängte, diese Tradition einzuführen, denn so schafft er sich indirekt ein kleines Heer an Adepten, die der Macht des Auges aufgrund ihres Lehrschwurs ergeben sind, ob sie es nun wollen oder nicht ist eine andere Frage.

Die Geschichte einer alten Stadt

- Zusammengestellt mit freundlicher Hilfe von Pjertho, Vorsteher des Kartenhauses zu Kratas -

- Voiha, Mittlere Datumsangabe

E

inst war Kratas eine stolze Zitadelle, aber die dunklen Jahrhunderte der Plage haben auch hier ihren Tribut gefordert. Dämonen konnten eindringen und vernichteten die ursprünglichen Bewohner ohne Ausnahme. Nur wenige Aufzeichnungen aus der Zeit vor der Plage haben ihren Weg in die Hände der Scholaren gefunden und so ist kaum gesichertes und verläßliches Wissen aus den goldenen Zeiten der Stadt überliefert. Was einmal war, kümmert die heutigen Bewohner eigentlich auch nicht.
Nach der Plage fanden Abenteurer die Stadt verwüstet vor. Einige Dämonen und ihre Konstrukte lebten noch in ihren Mauern, aber die unerforschten Gewölbe bargen eine große Zahl magischer und weltlicher Schätze. Diese waren es schließlich, die viele Helden und Glücksritter in die alte Zitadelle lockten, um die Monster zu erschlagen und ihnen ihre Schätze zu entreißen. Zu den ersten Helden kamen schnell Banditen, die in den alten Ruinen das schnelle Gold lockte. Die letzten Astralwesen wurden erschlagen oder vertrieben, und die Herrschaft der Diebe begann. Kratas wurde zum Stützpunkt für Raubzüge, und es bildete sich eine Gemeinde mit einem gewissen, wenn auch lockeren, Zusammengehörigkeitsgefühl.
Noch gab es aber keinen Bürgermeister oder eine Führung der Bewohner, die sich um die Belange der Einwohner gekümmert hätte. Das änderte sich erst mit der Besatzung durch die Theraner, die kamen um ihre abtrünnige Provinz Barsaive wieder zu unterwerfen. Als Throal den Widerstand gegen die Unterjochung organisierte, war es der Ork und Diebesadept Garlthik Einauge, der eine Miliz aus Dieben und Wegelagerern zusammenstellte. Der bunt zusammengewürfelte Haufen, der sich selbst stolz als Armee bezeichnete, setzte den Theranern erbitterten Widerstand entgegen und schlug sie schließlich nach einigen blutigen Scharmützeln in die Flucht.
Die nun entstandene Lücke an der Stadtregierung füllte Garlthik geschickterweise durch seine eigene Person und ernannte sich zum Herrscher über die Stadt. In weiser Voraussicht erkannte der pragmatische Ork, daß eine Stadt nicht auf alle Zeit von der Beute aus der alten Zitadelle leben konnte. So ermutigte er einige tatkräftige Händler, die trotz oder wegen der herrschenden Bedingungen Kratas als Geschäftssitz unterhielten, zu einem neuen Projekt. Die Stadt Daiche am niederen Tylon wurde gegründet. Der Plan ging besser auf, als sich der Herr von Kratas und seine Berater träumen ließen. Zwar blieb die Bevölkerungszahl in Daiche relativ gering, aber die Tatsache, daß Kratas einen Zugang zum Tylon und damit zum größten Handelsweg Barsaives gefunden hatte, führte zu einen gewaltigen Aufschwung von Kratas und seinem Handelsaußenposten.
Trotz seines ungewöhnlichen Lebenslaufes hat